Artikel aus gastgewerbe - Das Branchenmagazin, Mai/06                 Zurück zum Pressearchiv

Betriebe für Projekt gesucht

Behinderte in der Gastronomie und Hotellerie? Für viele ein absolutes Tabu - anders für das Hotel Leidinger

Mike Bomborn ist behindert, genau genommen lernbehindert. Trotzdem oder gerade deshalb ist der 27-Jährige seit fünf Jahren eine wertvolle und beliebte Arbeitskraft im Saarbrücker Hotel Leidinger. Hier hilft er eifrig auf der Etage, in der Küche bei Vorbereitungsarbeiten, im Spüldienst, macht Botendienste, arbeitet dem Hausmeister zu, oder bringt mit den Azubis das Altglas weg. Hotelchef Gerd Leidinger: „Vor fünf Jahren kam die Anfrage von Jobs for handycaps', ob wir eine Praktikantenstelle frei hätten. Da habe ich spontan ja gesagt." Sechs Wochen arbeitete Mike im Hotelbetrieb, zunächst mit seinem Betreuer. Der half Mike und den Kollegen beim Umgang miteinander.

Nach dem Praktikum gab es eine Verlängerung. „Das Betriebsklima hatte sich deutlich gebessert - erste Barrieren waren abgebaut. Wir alle hatten viel von Mike gelernt. Mit seinem Optimismus und Arbeitswillen hat er es geschafft, Vorbild für uns alle zu werden", so Leidinger. Trotzdem war klar - vor der Entscheidung, ob Mike fest angestellt werden soll, wurden alle Angestellten gefragt. Das Ergebnis: Nach einem weiteren Praktikum wollte ihn keiner mehr missen. „Auch unsere Gäste haben sehr positiv auf Mike reagiert", erzählt Gerd Leidinger. Lief in der Zusammenarbeit denn alles nur rund? Leidinger: „Nein, sicher nicht. Aber eigentlich waren das nur kleine Missverständnisse. Die konnten schnell aus der Welt geräumt werden." Sein Fazit: „Auch für mich ist Mike oft ein Vorbild. Wenn ich denke, die Arbeit wird mir zuviel, bringt er mich auf den Boden zurück, begeistert mich durch seine Freude."

„Für Behinderte hat Arbeit einen ganz anderen Stellenwert", bekräftigt Andreas Knauf, Bereichsleiter des Werkstattzentrums für Behinderte (WZB) in Spiesen-Elversberg. (siehe Kasten). Der Sozialarbeiter ist Mitarbeiter eines engagierten Projekts: Aktuell baut das WZB in Spiesen-Elversberg ein Centrum für Freizeit und Kommunikation (CFK). Mit diesem Projekt soll das Saarland einen attraktiven, barrierefreien, also behindertengerechten Tagungs- und Veranstaltungsort im Saarland erhalten. Zum Komplex gehören: ein Hotel mit elf Doppelzimmern, zwei Ferienappartements, drei klimatisierte Tagungsräume für wahlweise acht, 25 oder 40 Personen, ein Frühstücksraum und Restaurant für 50 Personen, eine Sportsbar mit zwei Bowlingbahnen. Die benachbarte Eventhalle bietet Platz für 250 Personen, ist für Tagungen und Großveranstaltungen nutzbar. Eine Sporthalle und ein angegliederter, behindertengerechter Wellnessbereich runden das Gesamtkonzept ab.

Die Hälfte der rund 40 Beschäftigen sollten Behinderte sein. „Wir suchen noch Gastronomen und Hoteliers, die sich auf dieses spannende Projekt einlassen, uns dabei unterstützen", erklärt Andreas Knauf. Seit zwei Jahren arbeiten Sozialarbeiter mit ihren Schützlingen, bereiten sie vor auf die Arbeiten, die in dem neuen Centrum auf sie warten. Knauf: „Seither schulen wir die Behinderten, bereiten sie auf den Service und den Kontakt mit dem Gast vor." Wunschziel: Eine Arbeitstelle im Hotel wie im Leidinger. Wer helfen möchte und einen Praktikumsplatz (6 Wochen bis 6 Monate) in seinem Betrieb zur Verfügung stellen kann und will, meldet sich bei:

Jeannette Konzack; Tel.: 06821/9046713, J.Konzack@wzb.de
Andreas Knauf; Tel.: 06821/793219, A.Knauf@wzb.de .

Weitere Infos über das Projekt unter: www. cfk-freizeitcentrum.de

Das Foto zeigt von links: Gerd Leidinger, Hotel Domicil Leidinger, Mike Bamborn, Mitarbeiter Domidl Leidinger, Andreas Knauf und Jeanette Konzack, Werkstatt für Behinderte.

Was sind und machen Behindertenwerkstätten?

Vor 30 Jahren entstand das Werkstattzentrum für Behinderte (WZB). Im Laufe der Zeit wurde daraus ein Unternehmen, das heute mit 1.300 Mitarbeitern an fünf Standorten im Saarland hochwertige Güter für führende deutsche und europäische Industrieunternehmen produziert. Zum festen Kundenkreis gehören Hersteller von Automobilen, Computern, hochwertiger Elektronik und Maschinen, sowie Handel, Konsum und Versorgungsindustrie.
Im WZB zählt nicht nur der wirtschaftliche Erfolg, sondern auch die Rehabilitation und Integration der ihm anvertrauten Menschen. Ein besonderes Anliegen ist die Förderung der Behinderten vom Werkstattbeschäftigten in ein Ausbildungs- bzw. Arbeitsverhältnis auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

(Diesen Artikel können sie auch als pdf herunterladen).

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