Artikel aus der Saarbrücker Zeitung, Erschienen: 16.11.2004 / SZ_Tabloid / D_50                 Zurück zum Pressearchiv

"Über die Hemmschwelle treten und gut bedient werden"

Der Geschäftsführer des WZB (Werkstattzentrum für Behinderte), Rainer Hartkorn, freut sich schon: Es soll noch knapp zwei Jahre dauern, bis das neue Zentrum für Freizeit und Kommunikation im Spieser Nassenwald (Hackenborner Trift) fertig ist. Der Rohbau wächst jeden Tag ein Stückchen mehr, und so langsam wird auch erkennbar, wie die von dem Saarlouiser Architekt Marcel Giebel geplante und rund fünf Millionen Euro teure Anlage später einmal aussehen soll. „Täglich werden per Telefon oder e-Mail Anfragenaus der ganzen Republik über unser Konzept und den Stand der Entwicklungen an mich herangetragen ,“ berichtet Rainer Hartkorn. Sogar etliche Buchungsanfragen für den noch zu errichtenden Hotelkomplex habe es bereits gegeben. Das Zentrum bedeute auch eine Aufwertung für die Gemeinde Spiesen-Elversberg. Und das rege Interesse, auch deutschlandweit, das dem Projekt entgegengebracht wird, lässt hoffen, dass ein solches Zentrum vielleicht auch an anderen Standorten Schule machen könne.

Ein Hotel, ein Restaurant, eine Gaststätte mit Kegelbahn sollen auf dem Gelände untergebracht werden, dazu wird es Veranstaltungs- und Tagungsräume geben, die für Seminare oder Kongresse genutzt werden können. Eine Mehrzweckhalle mit rund 200 Plätzen soll sich als Ort für die unterschiedlichsten Veranstaltungen, von Workshops, Kino- und Theatervorführungen über Discos und Konzerte, etablieren. „Natürlich steht diese Halle auch den Spiesen-Elversberger Vereinen offen,“ betont Hartkorn und hofft auf eine gute Zusammenarbeit.

Eine Turnhalle und ein Wellnessbereich mit Fitnessstudio, Sauna, Kosmetik und Friseur rundet das Angebot ab. In einem zentralen Reha-Gebäude werden alle jetzt noch in den vier Werken der WZB ausgelagerten Reha-Fachdienste wie Sozialarbeiter, Pädagogen etc., untergebracht.

Im Außenbereich soll ein Abenteuerspielplatz errichtet werden und eine Minigolf-Anlage. Ein Biergarten lädt die bei schönem Wetter sehr zahlreichen Spaziergänger, die auf dem idyllischen Gelände Erholung suchen, zum Verweilen ein.

„Die Leute müssen sich eben nur daran gewöhnen, dass sie in den Einrichtungen von behinderten Menschen bedient werden,“ erklärt Hartkorn. Er ist zuversichtlich, dass die bei vielen wohl vorhandene Hemmschwelle schnell schwinden und anfängliche Berührungsängste rasch abgebaut werden. Bereits jetzt werden diejenigen Mitarbeiter der WZB-Werke, die in dem neuen Zentrum für Freizeit und Kommunikation arbeiten sollen - vorwiegend in den Bereichen Gastronomie und Service – fit gemacht für ihren Einsatz: „Wir üben mit ihnen, wie man zum Beispiel den Tisch deckt oder serviert,“ erzählt Hartkorn und freut sich, dass seine Leute die große Veränderung in ihrem Lebensumfeld so begeistert aufnehmen.

„Wir dachten immer, unsere Leute seien gut versorgt,“ erklärt er, „aber die Versorgung endete ja nachmittags um 16 Uhr. In einer Befragung unter den rund 800 behinderten Menschen, die bei der WZB beschäftigt sind und betreut werden, gaben die nämlich als Wünsche Dinge an, die für nicht behinderte Menschen so selbstverständlich sind, dass man gar nicht daran gedacht hätte: weggehen, mal zum Essen oder in die Disco, und zwar abends und nicht nur am Nachmittag, zum Friseur oder ins Fitnessstudio gehen – viele behinderte Menschen trauen sich das nicht, weil sie fürchten, in einem sogenannten normalen Geschäft, Fitnessstudio oder Restaurant ausgegrenzt oder komisch behandelt zu werden,“ erklärt Hartkorn. Obwohl das Zentrum natürlich aus diesem Impuls gebaut und bis ins kleinste Detail auch behindertengerecht geplant wurde, soll die Anlage zu einer offenen Begegnungsstätte für behinderte und nichtbehinderte Menschen werden, betont der Geschäftsführer.

Sobald die Bauarbeiten noch ein wenig fortgeschritten sind, soll es auch für Interessierte eingehende Führungen und detaillierte Besichtigungen der Anlage geben. jen

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