Artikel aus der Saarbrücker Zeitung, Erschienen: 11.08.06, Nr. 185, Seite B3, NK_LOK                 Zurück zum Pressearchiv

 

Integration ganz praxisnach

„Ein Integrationsbetrieb, der sich am Markt behaupten muss.“
Geschäftsführer Michael Krauss

Behinderte Mitarbeiter werden im neuen ZIBistro in Neunkirchen geschult

Im Januar 2007 will das Centrum für Kommunikation im Spieser Nassenwald eröffnen. Jetzt sind die ersten Schulungen fürs Personal angelaufen. 20 von 40 Arbeitsplätzen werden in diesem Integrationsbetrieb mit behinderten Menschen besetzt.

Von SZ-Redakteurin Claudia-Emmerich

Neunkirchen/Spiesen. Jörg Kadow schmeckt es.Der Neunkircher ist Stammgast im ZIBistro in der Neunkircher Irrgartenstraße. Erika Führus serviert Jörg Kadow an diesem Tag sein Mittagessen und den anschließenden Kaffee. Sie ist wie auch Claudia Limburg, Stefan Jung und Andreas Lacour Beschäftigte im Werkstattzentrum für Behinderte (WZB) in Spiesen. Und die zwei Frauen und zwei Männer – alle zwi schen 19 und 26 Jahren – bilden das Service-Team, das derzeit für sein späteres Einsatzfeld im Centrum für Freizeit und Kommunikation (CFK) in Spiesen fit gemacht wird. Dieser Integrationsbetrieb – Investor ist die Werkstatt für Behinderte der Lebenshilfe – entsteht derzeit mit einem Bauvolumen von sechs Millionen Mark auf einer Fläche von 1800 Quadratmetern im Spieser Nassenwald.

Zum Angebot gehören ein barrierefreies Hotel, ein Restaurant, eine Eventhalle und ein behindertengerechter Wellnessbereich (wir berichteten). Hier soll ein Veranstaltungszentrum für behinderte und nichtbehinderte Menschen entstehen. Interessant für Urlaub, Freizeit, Großveranstaltung, Cate ring, Seminar oder Tagung. Geplant wird behindertengerecht, aber auch für nicht behinderte Gäste. „Ein Integrationsbetrieb, der sich am Markt behaupten muss“, sagt Geschäftsführer Michael Krauss, der weiter von einer Eröffnung in Januar 2007 ausgeht: „Auch wenn der lange Winter die Bauarbeiten etwas nach hinten verschoben hat.“
20 der 40 entstehenden Arbeitsplätze wird Krauss bis 2009 mit behinderten Menschen besetzen. Erika Führus und ihre drei Kollegen vom Service-Team sind die Ersten, die Verträge bekommen sollen. Sie durchlaufen auf dem Weg zu einer Arbeitsstelle im CFK ein mehrstufiges Schulungsprogramm. Andreas Knauf, Fachkraft für betriebliche Integration in WZB, erklärt. „Zunächst werden sie allgemein, dann im ZIB praxisnah geschult. Später
folgen ein internes Praktikum und schließlich noch ein externes Praktikum.“ Erika Führus etwa soll dabei ins Gasthaus Scherer in Schiffweiler reinschnuppern, Stefan Jung ins Gourmet-Restaurant Kunz in Bliesen. Sein internes Praktikum macht Jung in der Hofküche auf dem Wen delinushof in St. Wendel. Den hat zum 1. Januar die Werkstatt für Behinderte der Lebenshilfe (WZB) in Spiesen übernommen.

Doch Service will gelernt sein. Wir haben mit den Teilnehmern im April zwei Tagesveranstaltungen gemacht“, fährt Andreas Knauf fort.
Die erste war mit „Servieren“ über schrieben. Wie lege ich Besteck? Wie sieht ein Menügedeck aus? Wie falte ich Servietten? Wie belaste ich ein Tablett? Wie trage ich drei Teller? Was ist ein Weißweinglas? „Wir haben zunächst mit Plastikbechern geübt“, erzählt Andreas Knauf. „Erst ungefüllt, dann gefüllt.“ Als Kunden ließen sich bei der Übung Andreas Knauf, seine Kollegin Jeannette Konzack sowie Michael Krauss bedienen. Thema der
zweiten Veranstaltung war „Kundenkontakt“. Wie nehme ich eine Bestellung auf? Wie gehe ich mit Reklamationen um? „Was die Teilnehmer lernen, üben sie dann zunächstin der Kantine des ZIB. Immer zwei decken einen Sechsertisch ein, machen dort den Service“, sagt Knauf.„Später kommen sie dann in ZIBistro.“ Grundsätzliche Hilfe erfährt das Quartett während seiner Schulung von Claudia Lenz-Fischer, Gruppenleiterin für Küche und
Dienstleistungen im ZIB. Noch sind Erika Führus und Kollegen in der Schulung, da laufen schon die nächsten Schulungen an. Und sie betreffen dann andere Bereiche, zum Beispiel die Haustechnik oder den Empfang. Michael Krauss: „Wir möchten die behinderten Menschen in unserem Integrationsbetrieb nicht hinten verstecken, sondern auch an der Front einsetzen.“

Erika Führus serviert Stammgast Jörg Kadow einen Kaffee

 

 

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