Artikel aus der Saarbrücker Zeitung, Erschienen: 08.06.05 NK_LOK                 Zurück zum Pressearchiv

"Es geht um Integration und Förderung"

 Werkstattzentrum für Behinderte in Spiesen feiert am Wochenende 30. Geburtstag – Attraktives Festprogramm

Das Werkstattzentrum für Behinderte in Spiesen feiert an diesem Wochenende. Seit 30 Jahren besteht die WZB, Grund genug, geladene Gäste und die Bevölkerung zwei Tage lang umfassend über die Arbeit in den Werkstätten zu informieren. Im Vorfeld der Feierlichkeiten sprach SZ-Redakteurin Elke Jacobi mit Elmar Schneider, neben Bernhard Müller einer der beiden seit 1. April im Amt befindlichen Geschäftsführer. Elmar Schneider bei Jürgen Hauptert an dessen Arbeitsplatz in der Schlosserei.

 Die WZB feiert am kommenden Wochenende ihr 30-jähriges Bestehen. Was ist der bedeutendste Wandel, der sich im Laufe dieser drei Jahrzehnte vollzogen hat?

 Schneider : Ein großer Wandel in den drei Jahrzehnten ist dadurch entstanden, dass neben dem immer schon sehr produktionsorientierten Ansatz der Aspekt der Bildung und Förderung mehr und mehr an Bedeutung gewonnen hat, weil wir festgestellt haben, dass sich nur durch gut qualifizierte behinderte und nicht behinderte Mitarbeiter der Produktionsbereich betriebswirtschaftlich gut positionieren kann.

Nur so sind die Erfolge auch auf Bundesebene zu erklären. Mit der Entlohnung liegen wir bundesweit mit an der Spitze aller Werkstätten für behinderte Menschen. Erheblich dazu beigetragen hat auch ein Qualitätsmanagementsystem für beide Bereiche Produktion und Förderung seit dem Jahr 1996.

Noch immer haben viele Menschen Probleme im Umgang mit behinderten Menschen. Was hat die WZB getan,was tut sie, damit sich diesbezüglich etwas ändert?

Schneider: Im Werkstattbereich haben wir uns permanent stark nach außen geöffnet. Insbesondere dadurch, dass wir unterschiedliche gesellschaftliche Gruppierungen zu uns eingeladen haben, um zu zeigen, was behinderte Menschen am Arbeitsplatz leisten können, und um den Umgang mit behinderten Menschen zu erleichtern. Die Integration von behinderten Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wurde erheblich verbessert durch die Einstellung von speziellen Fachkräften für betriebliche Integration. Da auch 140 Personen in Wohnstätten leben, war es immer schon unserZiel, diese Bewohner in das Gemeindeleben zu integrieren. Dies ist uns durch dezentrale Wohnkonzepte gelungen, wodurch unsere Bewohner in der Nachbarschaft und in der Gemeinde gut integriert wurden. Trotz all dieser Bemühungen ist die Integration aber ein langjähriger und schwieriger Prozess, der auch in Zukunft Schwerpunktthema im WZB sein wird.

Die Zusammenarbeit mit behinderten Menschen erfordert entsprechende Ausbildung. Gibt es ausreichend ausgebildete Menschen auf dem Arbeitsmarkt? Wer ist für die Arbeit geeignet?

Schneider : Im Werkstattbereich hat das WZB Facharbeiter aus unterschiedlichen Berufsgruppen eingestellt, die berufsbegleitend eine sonderpädagogische Ausbildung im WZB absolviert haben. Verbessert wurde dieses System durch die Einführung der Ausbildung der Fachkraft für Berufs- und Arbeitsförderung. Der größte Teil kann diese Ausbildung nachweisen und durch permanente Weiterbildung eine zusätzliche Qualifikation erreichen. Im Wohnstättenbereich gilt seit Jahren die Heimpersonal-Mindestanforderung, so dass dort nur Fachpersonal wie Erzieher, Heilerziehungspfleger, Pädagogen und Altenpfleger beschäftigt sind.

 Welche Menschen arbeiten in der WZB?

Schneider: Neben hauptamtlichen Fachkräften (zurzeit 280) arbeiten 856 Werkstattbeschäftigte in unserer Einrichtung, die geistig oder mehrfach behindert sind.

Die schwierigste Aufgabe der Vergangenheit....

Schneider : Das hat sich schon durch die Fragen eins bis drei beantwortet: Integration der Behinderten und Qualifikation der Werkstattbeschäftigten, sowie ständige Fortund Weiterbildung des Fachpersonals

.... und das ehrgeizigste Projekt der Zukunft

Schneider : Unser CFK (Centrum für Freizeit und Kommunikation) in Spiesen-Elversberg. Dort werden Bereiche des WZB ausgelagert, wie die Großküche und die reha-pädagogischen Angebote. Wichtig dabei ist, dass zusätzlich ein Integrationsbetrieb für behinderte Menschen entsteht, die beim WZB ausscheiden und als Arbeitnehmer in diesem Betrieb arbeiten werden. In diesem Integrationsbetrieb werden ein Hotel mit Restaurant, Wellness- und Freizeitbereich und eine große Multifunktionshalle für 250 Personen betrieben. Das Centrum ist offen für behinderte und nicht behinderte Menschen und soll eine Stätte der Begegnung und ein wichtiger Baustein zur Integration und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sein.

AUF EINEN BLICK

Das Werkstattzentrum für Behinderte (WZB) in Spiesen feiert am kommenden Wochenende sein 30-jähriges Bestehen. Samstags kommen die geladenen Gäste in den Beckerwald, sonntags von zehn bis 18 Uhr ist Tag der offenen Tür. Dann können die verschiedenen Werke des WZB besichtigt werden, Filmbeiträge und Info-Stände bieten jede Menge Information.

Das WZB bietet an insgesamt vier Standorten 1150 Arbeitsplätze. Zum 1. April hat die Geschäftsführung gewechselt. Geschäftsführer Rainer Hartkorn wurde in den Ruhestand verabschiedet. Neue Geschäftsführer sind Elmar Schneider und Bernhard Müller. ji

 

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