Artikel aus "Rund um den Galgenberg", Woche 26/2005, S. 4/5 ![]()
"Wir werden ein ganz normales Miteinander haben ..."
Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer Michael Krauss
Über das „Centrum für Freizeit und Kommunikation“(CFK), das zurzeit im Nassenwald errichtet wird und in dem behinderte und nichtbehinderte Menschen sich begegnen sollen, Freizeit verbringen und sich entspannen können, haben wir bereits mehrfach berichtet. Seit wenigen Monaten ist Michael Krauss zum Geschäftsführer der CFK gGmbH bestellt. Krauss ist nunmehr in den Entstehungs- und Entwicklungsprozess des nicht nur für Spiesen-Elversberg bedeutsamen Projektes an führender Stelle eingebunden. Das sei sehr wichtig, betont der leidenschaftliche Tänzer, um die Strukturen und Möglichkeiten des Unternehmens sozusagen von der Pike auf kennen und steuern zu lernen.
Michael Krauss hat sein Abitur am Saarbrücker Wirtschaftsgymnasium absolviert und anschließend Wehrdienst geleistet. An der Universität des Saarlandes studierte er Betriebswirtschaftslehre (BWL) mit Schwerpunkt Marketing, Informationsmanagement und Industriebetriebslehre. Nach dem Ende des Studiums war seine erste betriebliche Station ein Engagement bei der GastroFix AG, einem Anbieter für PC-basierte Abrechnungs- und Kontrollsysteme für die Gastronomie und Hotellerie. In der dortigen Internetabteilung war er konzeptionell zuständig für das Internetportal „gastro.de“. Gastronomen sollten flächendeckend an dieses Portal angebunden werden, das unter anderem einen Shop zur Deckung des gastronomischen Bedarfs bereithielt. Ein weiteres Angebot beinhaltete eine Online-Stellenbörse. Aus dieser Tätigkeit, so Krauss, habe er viele Kenntnisse über gastronomische Erfordernisse ableiten können.
Diese Internetplattform wurde später durch die „buyunity GmbH“, einer Tochter der GastroFix, vermarktet. Seit Januar 2002 war Krauss schließlich bei der imc AG, einem von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Prof. August-Wilhelm Scheer gegründeten Unternehmen, beschäftigt. imc AG ist ein führender Anbieter von computergestützten Lernlösungen in Europa. Michael Krauss war bei imc als Messe- und Eventmanager tätig. Tagungs-, Kongress- und Eventmanagement waren seine Tätigkeitsschwerpunkte, die ihm, wie er heute sagt, einen tiefen Einblick in die Anforderungen moderner, Ereignis orientierter Gastronomie und Hotellerie ermöglicht haben.
Michael Krauss ist, wie bereits eingangs erwähnt, leidenschaftlicher Tänzer. Mit der üblichen Tanzschule fing seine Faszination Tanz an. So ziemlich alles an speziellen Kursen hat er absolviert, um seine Fähigkeiten weiter auszutesten. In der Formation der Tanzschule Euschen-Gebhardt hat er später mitgetanzt. Während dieses Tanzens, erzählt er, sei er zum ersten Mal mit behinderten Menschen in Berührung gekommen, die bei Euschen-Gebhardt Tanzkurse belegt hatten. 1992 begann für Michael Krauss die intensive Auseinandersetzung mit Jazzdance und anschließend mit Modern Dance. Bei Andreas Lauck, der unter anderem auch „autres choses“ trainiert, lässt er sich zurzeit weiter ausbilden. Als Tänzer aktiv, ist er außerdem beim Neunkircher Musical Projekt.
Am 1. März 2005 wurde Michael Krauss zum Geschäftsführer der CFK gGmbH bestellt. Grund genug, diese wichtige Personalie einmal näher zu beleuchten. Die CFK ist eine hundertprozentige Tochter des WZB der Lebenshilfe gGmbH. Als Integrationsbetrieb wird das CFK nach Fertigstellung 40 Arbeitsplätze bereitstellen; jeweils 20 für behinderte und nichtbehinderte MitarbeiterInnen.
Rund um den Galgenberg: Herr Krauss, Sie haben sehr viele Berührungspunkte mit Gastronomie im Allgemeinen und mit Veranstaltungen im Besonderen in Ihrer bisherigen Kariere gehabt. Und dennoch erwartet Sie hier eine ganz andere Aufgabe…
Krauss: Ja, absolut. Ich habe jetzt sozusagen als Anbieter von gastronomischen Leistungen die ganz andere Perspektive einnehmen müssen. Ich habe, wenn Sie so wollen, die Seiten gewechselt. Das ist für mich eine ganz besondere Herausforderung. Im Moment sind wir in der Konzeptionsphase, in der die Ergebnisse aus der Studie aus 1999 von Frau Dr. Reimann (Anm. d. Red.: Befragung über das Freizeitverhalten behinderter Menschen), umgesetzt werden müssen.
Rund um den Galgenberg: Die Veranstaltungsorte wie Wellnessbereich, Restaurant, Hotel, Multifunktionshalle müssen irgendwann mit Leben gefüllt werden. Wie stellen Sie da die Weichen schon jetzt, gut eineinhalb Jahre vor der Fertigstellung?
Krauss: Es finden zum Beispiel Gespräche mit der Gemeinde darüber statt, wo Bedarf bestünde. Wir versuchen zurzeit herauszufinden, wie groß die Nachfrage nach Proben- oder Übungsräumen für Chor, Tanz ist, welchen Bedarf die über 140 Vereine der Gemeinde haben. Da gibt es schon jetzt Resonanz. Einige Vereine haben bereits signalisiert, dass Interesse daran besteht, Veranstaltungen bei uns durchzuführen. Mit Unternehmen der Umgebung werden in naher Zukunft Gespräche geführt werden, um deren Bereitschaft abzufragen, Tagungen, Kongresse oder andere Veranstaltungen bei uns abzuhalten. Wir sind konzeptionell so aufgestellt, dass wir ein breites Spektrum abdecken können. Wir haben das Hotel mit einem Gastronomiebetrieb für etwa 50 Gäste. Es stehen drei klimatisierte Tagungsräume zur Verfügung und im Zusammenhang mit der Multifunktionshalle, die bis zu 250 Personen fassen wird, können wir einen hoch interessanten Kongress- und Tagungsort anbieten. Familienfeiern, Firmenveranstaltungen, das alles soll hier möglich sein. Aber auch Erholungssuchende sind angesprochen. Im Hotel gibt es dann eine Bowlingbahn, eine Bierklause, es gibt einen Wellnesskomplex. In Verbindung mit dem Wander- und Wegenetz rund um das Centrum ergeben sich viele Perspektiven.
Rund um den Galgenberg: Werden alle Bereiche immer und zu jeder Zeit allen Gästen offen stehen?
Krauss: Uneingeschränkt: ja! Wir haben einen ganz normalen gastronomischen Betrieb. Das Centrum ist ein offenes Centrum. Es steht unter dem Zeichen des Integrationsbetriebes. Behinderte und nichtbehinderte Menschen werden hier arbeiten. Wir versuchen eine Kommunikationsfläche zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen zu schaffen. Denken Sie nur an die etwa 850 WZB-MitarbeiterInnen, die nun auch Gelegenheit haben sollen, das CFK für ihre Freizeitaktivitäten zu nutzen. Und das alles ohne Diskriminierung. Behinderte Gäste werden dann auch von behinderten Menschen bedient werden. Es kann so eine vertraute Atmosphäre geschaffen werden. Zurzeit werden MitarbeiterInnen ganz speziell zum Beispiel in den Fragen des Bedienens geschult. Eines konnte ich binnen kurzer Zeit feststellen, dass behinderte Menschen ihre Arbeit herzlicher und wärmer verrichten.
Rund um den Galgenberg: Was würden Sie nichtbehinderten Menschen mit auf den Weg geben, die sich auf den Weg ins CFK machen?
Krauss: Die Gäste sollen sich ganz normal verhalten. Man muss keine Berührungsängste haben. Ich bin von der Softwarebranche nach hier gewechselt und habe zum ersten Mal mit behinderten Kollegen zu tun. Es macht keinen Unterschied und es fällt zum Teil nicht einmal auf, dass man behinderten Menschen begegnet. Schmeißen Sie alle Vorurteile über Bord, seien Sie offen und Sie werden überrascht sein, dass sie ein ganz normales Miteinander haben werden.
Rund um den Galgenberg: Ende des kommenden Jahres soll das CFK fertig gestellt sein. Sind Sie im Zeitplan?
Krauss: Absolut. Wir werden voraussichtlich Ende 2006 fertig sein.
Rund um den Galgenberg: Herr Krauss, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg für dieses interessante Projekt.